Finger weg vom Gymnasium

Niedersächsischer Ministerpräsident David McAllister ruft CDU in NRW zum Kampf um jede Stimme auf

Rahden (WB). Dass Wahlkampf Spaß machen kann, hat David McAllister am Mittwochabend bewiesen. Mit großem Sachverstand, aber auch viel Humor begeisterte der niedersächsische Ministerpräsident die Zuhörer im Gasthaus »Am Museumshof«.

Und die CDU-Kreisvorsitzende Kirstin Korte dankte es dem Wahlhelfer aus dem Nachbarland. »Friedhelm Ortgies hat gesagt: ÝWo die CDU regiert, geht es den Menschen besserÜ. Ich sage: ÝWo Sie für die CDU reden, geht es den Zuhörern besserÜ.« Diesen Satz konnten wohl alle Besucher unterschreiben, die übrigens in sehr großer Zahl der Einladung von Friedhelm Ortgies und Kirstin Korte, beide CDU-Landtagskandidaten im Mühlenkreis, gefolgt waren.

Der Ehrengast allerdings verspätete sich wegen einer Sitzung des Landtages in Hannover. Doch die Wartezeit überbrückte nicht nur die Heimatkapelle Rahden mit schwungvollen Melodien, sondern auch Friedhelm Ortgies. Der begann heiter mit: »Sie warten alle ja nur auf McAllister, mich wollen Sie heute doch gar nicht hören.« Ortgies nutzte die Zeit, um noch einmal dringend an das Publikum zu appellieren, am Sonntag zu wählen und andere darauf anzusprechen. »Wir müssen auch die letzten Tage noch kämpfen. »2010 habe ich den Wahlkreis nur sehr knapp gewonnen.« Der Rahdener machte keinen Hehl daraus, dass es sein erklärtes Ziel sei, auch das vierte Mal das Direktmandat für die CDU zu gewinnen. Er warnte eindringlich vor der »Schuldenpolitik von Rot/Grün mit Hannelore Kraft an der Spitze«.

Als die Heimatkapelle dann wieder Melodien anstimmte, wurde es plötzlich bei den Ordnern unruhig. »David McAllister ist gleich da. Die Wagen sind schon in Hartum«, erfuhren die Besucher. Und tatsächlich, wenige Minuten später bogen zwei schwarze Limousinen auf den Parkplatz ein. Sicherheitsbeamte stiegen aus, bevor auch der Ministerpräsident den Dienstwagen verließ und seine Gastgeber locker und freundlich begrüßte. Als McAllister dann den Saal betrat, empfingen ihn die Gäste stehend mit Applaus.

Ohne Verzögerung schritt der Niedersachse an das Mikrofon und unternahm zuerst einen Abstecher in die Bundes- und Europapolitik: Auch er warnte eindringlich vor höherer Verschuldung und forderte das Festhalten am Fiskalpakt. Von der Energiepolitik (Die Wende in diesem Bereich, ist für die Politik eine der größten Herausforderungen) kam McAllister zur Familien- und Bildungspolitik.

Und er nahm kein Blatt vor den Mund: Nichts hält der Ministerpräsident von einem Kita-Zwang: »Ich bin dafür, dass Eltern frei entscheiden können, wie sie ihre Kinder aufwachsen lassen.« McAllister mag weder den Begriff »Rabenmutter« noch »Heimchen am Herd.« Die Wörter seien übrigens in keine Sprache der Welt übersetzbar. Sie gebe es nur in Deutschland. Jede Frau habe das Recht, selbst zu entscheiden, ob sie Kinder erziehen möchte oder den Beruf wählt. Für McAllister ist nichts von beiden verwerflich. »Ich habe die Schnauze voll, dass es gerade immer wieder jene Menschen sind, die Eltern ihre Kinder entziehen wollen, die einen völlig anderen Lebensentwurf haben.« Bei diesem Punkt übte er auch harsche Kritik an der SPD-Spitzenkandidatin in NRW: »Hannelore Kraft hat kürzlich in einem Interview die Katze aus dem Sack gelassen und von Kita-Pflicht ab dem ersten Lebensjahr gesprochen. Damit muss Schluss sein. Das hatten wir in der DDR.«

An sich übe er keine Kritik an Kollegen aus Nachbarländern, aber angesichts der Finanzpolitik von Rot/Grün in NRW konnte er sich nicht zurückhalten: Zu den Schulden, die SPD und Grüne in ihrer kurzen Regierungszeit gemacht hätten, falle ihm nichts mehr ein. »Weiß Frau Kraft eigentlich, dass das Grundgesetz geändert worden ist und die Länder in sieben Jahren keine neuen Schulden mehr machen dürfen?«, fragte McAllister. Er selbst habe sich fest vorgenommen, dieses Ziel in Niedersachsen zu erreichen.

Erreichen will David McAllister auch, dass das Gymnasium unangetastet bleibt, daneben aber andere Schulformen angeboten werden. Die Diskussion über Schulstrukturen möchte er beenden, die über Inhalte hält der Ministerpräsident für weitaus wichtiger. Zum Abschluss seiner - oft durch starken Beifall - begleiteten Rede forderte McAllister alle auf, »bis zum letzten Moment um Stimmen für die CDU zu kämpfen.


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