Neujahrsempfang der CDU im Mühlenkreis - Landtagsabgeordneter Karl-Josef Laumann redet vor 200 Bürgern

Ein Loblied auf die Familie

Hüllhorst (WB). Politische Reden werden hierzulande wohl eher selten von Bravo-Rufen, lautstarkem Beifall und Lachern begleitet. Karl-Josef Laumann, Fraktionsvorsitzender der CDU im nordrhein-westfälischen Landtag, ist dies mit seinem Vortrag beim Neujahrsempfang der CDU im Mühlenkreis gelungen. In Halle 7 des IT-Unternehmens Wortmann sprach er vor knapp 200 Gästen.
Klare Worte: Karl-Josef Laumann, Fraktionsvorsitzender der CDU im nordrhein-westfälischen Landtag, hat beim Neujahrsempfang nicht mit Kritik an der rot-grünen Landesregierung gespart. Er plädiert für mehr Eigenverantwortung und weniger Bürokratie.

»NRW wird schlecht regiert - Zukunftsperspektiven entwickelt nur die CDU« lautete der provokante Titel seiner Rede. Und Laumann teilte kräftig aus - laut, unmissverständlich und ohne Manuskript. 2011 sei es wirtschaftlich richtig rund gegangen, nicht nur geprägt von einer niedrigen Arbeitslosenquote, sondern auch von sprudelnden Steuereinnahmen. »Aber wir müssen mit dem Geld, was wir einnehmen, auch auskommen«, betonte Laumann. »Es werden aber ständig Haushalte verabschiedet, in denen das nicht der Fall ist.« Überall kümmere man sich um die Schuldenbremse, die für den Bund ab 2016, für die Bundesländer ab 2020 gelte. »Nur in NRW nicht«, kritisierte Laumann die rot-grüne Landesregierung.

Politik müsse den Mut haben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dazu gehört für Laumann eindeutig der Erhalt familiärer Strukturen. »Immer, wenn wir Familie ersetzen müssen, wird es teuer«, so der 54-jährige Oppositionsführer, der seit 2005 in Düsseldorf ist, von 2005 bis 2010 Minister für Arbeit Gesundheit und Soziales in NRW war und zudem der Bundesvorsitzende der CDA (christlich-demokratische Arbeitnehmerschaft) ist. Liebe, Geborgenheit und Sicherheit - das fänden die Menschen nur in der Familie. Auf sie könne man auch in schwierigen Zeiten bauen.

In einem stabilen sozialen Umfeld sieht der Unionspolitiker auch das Fundament für ehrenamtliches Engagement. Vom Kultur- über den Schützenverein bis hin zu den grünen Damen - damit sich Menschen dort stark machten, müssten sie in ihrem Leben eine Heimat finden. Nach Ansicht Laumanns fehlt es in NRW an den passenden Rahmenbedingungen eben diese Familie zu gründen. Zehntausende Kita-Plätze fehlten allein in NRW.

Geradezu in Rage redete sich der Ehrengast des Neujahrsempfangs beim Gedanken an die in seinen Augen überbordende Bürokratie. Da gebe es zum Beispiel eine 20-seitige Verordnung zur Lebensmittelhygiene bei Tagesmüttern. Die Bevormundung der Bürger und der fehlende Blick auf das Wesentliche setze sich fort. »Jetzt beschäftigt sich die Landesregierung mit der Länge der Ladenöffnungszeiten und dem Rauchverbot. Bei uns im Ort entscheidet immer noch der Schützenkönig, ob beim Schützenfest geraucht wird oder nicht.«

Laumann, der nach eigenem Bekunden auch für die Lohnuntergrenze kämpft (»Sonst hat Arbeit keine Würde«), brach auch eine Lanze für die kleinen Kommunen, was in Hüllhorst natürlich bestens ankam. Ein flammendes Plädoyer hielt hier auch die CDU-Kreisvorsitzende Kirstin Korte, die die illustre Gästeriege aus Politik, Gesellschaft, Schule, Verbänden, Kirche und Wirtschaft begrüßt hatte. »Wir sind nicht der Selbstbedienungsladen für die Metropolen und finanzieren mit unseren Steuern obendrein deren soziale Probleme, während hier die Schwimmbäder geschlossen werden und abends die Lichter ausgehen.«

Das Kreuz auf dem Stimmzettel bei der nächsten Wahl, da waren sich Korte und ihr Gast aus Düsseldorf erneut einig, soll der CDU gehören. Laumann: »Wir sind keine Unternehmerpartei, wir sind eine Volkspartei, die am Gemeinwohl interessiert ist. Und wenn alle wählen gehen, erledigt sich das mit den kleinen Parteien von selbst.« Für seine »klaren und ehrlichen Worte« bedankte sich Korte mit einem edlen Tropfen: ein Rotwein mit Mindener Dom.






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